aus der rückgrat-Ausgabe 2/1995

DIE SONNE SCHEINT BEI TAG UND NACHT...

oder eine gottesmäßige FH-Fahrt nach Spanien
vom 07.04. bis 16.04.95

Los gings am Freitagabend um 19.00 Uhr (theoretisch).
Aber: Erstens kommt´s anders und zweitens als man denkt!!
Denn der "moderne schlafsesselbestuhlte Fernreisebus" entpuppte sich als mit Pfadfindern bereits zur Hälfte besetzter Doppeldeckerbus, dessen Gepäckraum sich als zu klein herausstellte.
Aber dank unseren überaus hilfsbereiten, freundlichen und technisch hochbegabten Busfahrern war dieses Problem schnell (ca. 3/4 Std.) behoben. Man warf die restlichen Gepäckstücke kurzerhand in die Bustoilette, die somit für den Rest der Fahrt ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen konnte.
Nach ungefähr 18-stündiger Fahrt mit den nötigen Rauch- und P- Pausen (die J.S. und T.M. leider nicht ausreichten - Hoch lebe der Plastikbecher!!) kamen wir dann endlich in Torredembarra/ Katalonien an.
Anschließend bezogen wir jeweils zu viert unsere Appartementos und die ersten tigerten gleich in Richtung Strand, der nur 100 m von unserem Hotel entfernt war. Dies erwies sich aber als sehr tückisch, da so manche zarte, blaße Haut am Abend ziemlich schuppig und rot aussah, gell Muffi und Armin?!
Zitat:" Ein Gottessonnenbrand!" ( Anmerkung der Schreiberlinge: Scheint die Sonne so heiß...)

Abends wurde dann die Altstadt bzw. das Fischerdorf unsicher gemacht, wobei zielsicher sämtliche Kneipen angepeilt wurden. Mancheiner bestellte sogar zu fortgeschrittener Stunde statt zwei "serveza" (Bier) zwei "servicio" (Toiletten), was die Bedienung doch für einige Sekunden sprachlos machte. Später traf man sich dann immer im "Cafe de Torre-Nico-Franco" oder im "B-Foyer", wo man dem Sonnenaufgang entgegentrank.
Dabei stellte sich heraus, daß auch FH-Studenten musikalisch sind: Das Repertoir reichte von volkstümlich-rustikal-Schunkelliedern bis hin zu headbanging-refraingröhl-Songs. Solche Aktivitäten verursachten bei man(n)chen einen Gotteshunger, daß sogar die spanischen Servietten mit Senf und Ketchup hervorragend mundeten.

Tags darauf gab es die Möglichkeit den alten Ortskern (das pueblo) von Torredembarra zu besichtigen oder einfach den Strand und die Sonne zu genießen.
Vor listigen Hunden sei an dieser Stelle jedoch gewarnt, denn es soll vorgekommen sein, daß einem FH-Studenten am Strand ein Schuh entführt wurde.

Am Montag fand eine Ganztagesexkursion zum Kloster Montserrat statt, wobei sich die Hinfahrt für manchen Magen als zu kurvenreich erwies. Erleichtert angekommen, hatte jeder die Gelegenheit mit der Zahnradbahn bis zur Spitze des Berges zu fahren, die schwarze Madonna zu küssen (Risiken und Nebenwirkungen waren vorher bekannt), den Gesang des gregorianischen Knabenchors zu lauschen oder dem Geheimnis des Gottesfingers auf die Spur zu kommen.
Die Rückfahrt verzögerte sich allerdings um zwei Stunden, da an unserem Bus der Gaszug defekt war. Der vorgesehene Besuch der Parfümerie mußte deshalb ausfallen.

Am Dienstag konnte die nahegelegene Provinzhauptstadt Tarragona besichtigt werden; doch einige schien das Mc-Donalds-Schild mehr zu interessieren als die Sehenswürdigkeiten, wie z.B: das Amphietheater oder die Altstadt.

Der vielleicht interessanteste Programmpunkt - die Fahrt nach Barcelona - war für Mittwoch geplant.
Das olympische Stadion, das gotische Viertel, die Sagrada Familia von Gaudi und die Altstadt gab´s bei der Stadtrundfahrt zu sehen. Anschließend hatten wir noch 2 1/2 Stunden Zeit, um Barcelona auf eigene Faust zu erkunden. Von den meisten wurde dies zu einem Stadtbummel oder einem ausgiebigen Cafe-Besuch genutzt.
Zurück in Torredembarra war am Abend ein gemeinsames Paellaessen angesagt. Einige fühlten sich beim Essen jedoch sehr beobachtet, da mehr Augen aus dem Teller herausstarrten als hineinschauten.

Am Donnerstag konnte sich jeder auf der Klippenwanderung zum Nachbarort Altafulla sportlich betätigen, wobei nicht jeder das passende Schuhwerk dabei hatte.

Der Karfreitag hielt dann eine besondere Überraschung für uns bereit: Die Osterprozessionen in Tarragona und Torredembarra. Trotz abendlicher Frische ließen sich die meisten nicht davon abhalten, den mehrstündigen Marsch zu verfolgen. Gegen Mitternacht waren dann alle aus Tarragona zurück, und man beschloß, die letzte Nacht am Strand zu verbringen. Der frische Wind und die Tatsache, daß die mitgebrachten Flaschen Wein schon wieder leer waren, trieben uns ins B-Foyer.
Nur eine kleine Gruppe von fünf Studenten hielt tapfer bis zum Sonnenaufgang durch, wobei sich nur noch ein Problem ergab: Wer holt jetzt das Frühstück?
Lange Zeit zum Überlegen hatten sie allerdings nicht, denn es galt ja noch die Koffer zu packen und das Appartement bis 9.30 Uhr zu räumen.

Der letzte Tag wurde mehr oder weniger aktiv mit teils zerknitterten Gesichtern und Kreislaufproblemen entweder in Reus, Tarragona, Barcelona oder am Strand verbracht.

Gegen 18.00 Uhr hieß es dann Abschied nehmen und nachdem das letzte Gruppenfoto geschossen war und jeder endlich einen Platz gefunden hatte, ging es zurück in die Heimat. Mit einem neuen Bus, freier Toilette und Otto als Busfahrer brauchten wir zurück nur 16 Stunden.
Unter Verabschiedungen und Umarmungen hatte es dann doch jeder ziemlich eilig in sein eigenes Bett zu kommen.

Einige Fragen blieben aber doch offen oder sorgten zumindest für Verwirrung:

Fazit: Die Spanienreise war für manche(n) die zarteste Versuchung seit es FH-Fahrten gibt!

In diesem Sinne
Sonja & Sylvie

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