aus der rückgrat-Ausgabe 2/1995

Auslandspartnerschaft mit der Hochschule für Staatsverwaltung in Budapest/Ungarn

Seminar in Budapest vom 24.04. bis 29.04.1995

Hier ersteinmal das Wichtigste: die Baudapest-Gerüchte

Am Montag morgen um 6 Uhr (für manche mitten in der Nacht) startete der Eurocity Bela Bartoc vom Stuttgarter Hauptbahnhof nach Budapest. Bis Plochingen war dann die Gruppe aus 12 Studenten, geführt von Prof. Matjeka und Prof. Raviol komplett.

Dort angekommen, wurden wir von Frau Kincses, der dortigen Auslandsbeauftragten, die uns die ganze Woche begleiten sollte, abgeholt. Ein Bus brachte uns dann zu unserer Unterkunft, einem privaten Studentenwohnheim, in dem unsere Partnerhochschule für uns Zimmer reserviert hatte.

Auf einem Erkundungsgang entdeckten wir, daß das Wohnheim mit Schwimmbad, Sauna, Solarium, Sporthalle, Fitnessraum, zwei Bars und Cafeteria ausgestattet ist.

Um uns einen ersten Eindruck von Budapest zu verschaffen, erklommen wir den nahegelegenen Gellertberg, von dem aus man einen beeindruckenden Blick über die ganze Donaumetropole hat.

In den nächsten Tagen besuchten wir den Burgberg mit Matthiaskirche und Fischerbastei unter der Führung von Frau Prof. Fésüs, die sich als sachkundige Führerin erwies.

Ein verregneter Morgen wurde zum Besuch des bekannten Gellertbades genutzt, dessen Jugendstilarchitektur sehr beeindruckend ist.

Ein besonderer Leckerbissen für die Fußballfans der Gruppe war der Besuch des EM-Qualifikationspiels Ungarn gegen Schweden im über 100.000 Besucher fassenden Nepstadion. Auch unsere beiden Dozenten ließen sich den beinahe historischen 1:0 Sieg der Ungarn nicht entgehen und waren von der mitreißenden Stimmung fasziniert. ..

Unter der sachkundigen Führung unserer englischsprachigen Betreuerin , Frau Kincses lernten wir im Freilichtmuseum von Szentendre Teile der ungarischen Geschichte und die Lebensgewohnheiten der Leute früher hautnah kennen.

Ein Höhepunkt unserer Budapestfahrt bildete die Besichtigung des Parlaments. Hier läßt sich sowohl Geschichte als auch Gegenwart ablesen. Bei einer interessanten Führung bekamen wir einen kurzen Abriß von der Entstehung des Gebäudes als Symbol der Unabhängigkeit von Österreich bis hin zu seiner heutigen Funktion als Sitz des demokratisch gewählten Parlaments.

Um den Studienalltag unserer ungarischen Kollegen (die übrigens gerade im Prüfungsstreß waren) kennenzulernen, führte uns unsere Betreuerin durch die Einrichtungen der Hochschule. Mit Erstaunen stellten wir fest, daß die Bibliothek und die Computereinrichtungen den unserigen durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar in Teilen voraus (EDV in der Bibliothek und die Software im Rechenzentrum) ist.

Den Kern des eigentlichen Seminarprogramms waren verschiedene Vorträge, die sich mit der gegenwärtigen politischen Lage in Ungarn befaßten, an die sich dann lebhafte Diskussionen mit den Referenten anschlossen.

Besonders hervorzuheben waren hierbei die beiden Vorträge von Herrn Dr. Árpád Nagy und Herrn Albert Takács.

Herr Dr. Nagy machte uns mit der Lage der Kommunen und deren Problemen, die der Systemumbruch mit sich brachte vertraut. Besonderes Problem hierbei ist die starke Zersplitterung der Gemeinden in viele nicht selbständig lebensfähige Selbstverwaltungseinheiten. Auch wurde auf die mangelnde Steuerehrlichkeit der Ungarn hingewiesen, die laut dem Dozenten nur in Italien noch ausgeprägter sei.

Highlight war der Vortrag von Prof. Takács, der gleichzeitig Mitglied in der Verfassungskommission ist. Er führte uns in die Probleme Ungarns bei der Ausarbeitung einer neuen Verfassung ein. Eine besondere Schwierigkeit stellt hierbei die Koalitionsregierung mit 70% dar, die jederzeit eine Verfassungsänderung beschließen kann. Auch muß eine Verfassung gefunden werden, die an den Eigenheiten Ungarns orientiert ist. Um diese Eigenständigkeit zu demonstrieren, will man nicht auf bereits bestehende westliche Systeme zurückgreifen.

Letztlich ist noch zu erwähnen, daß auch die kulinarischen Genüsse und die geselligen Aspekte bei dieser rundum gelungenen Studienfahrt nicht zu kurz kamen.

Der Abschied der tollen Gruppe von Budapest fiel allen schwer, wurde aber während der Rückfahrt durch eine Flasche ausgezeichneten Plochinger Weins, den Herr Raviol gespendet hatte, versüßt.

Anja Schmid
Thomas Dürr
Thilo Hommel