aus der rückgrat-Ausgabe 2/1995
"Wie treibe ich einen Regisseur in den Wahnsinn"
oder
Der Weg zur Premiere und darüber hinaus
Ein Lustspiel in 3 Akten
Vorwort
Es ist schon erstaunlich, wie schnell man von der Gegenwart eingeholt wird. Da glaubt man, man könne mit einem Artikel noch etwas Spannung in die Sache bringen oder gar etwas Reklame machen und was passiert.
Das "rückgrat" kommt erst nach der Aufführung raus. Tja, Pech gehabt.
Es kamen aber trotzdem viele, das sei zu Anfang schon einmal verraten.
- Doch-
- Der Worte sind genug gewechselt
Ich laß Euch endlich Taten seh´n
Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen
Probiert ein jeder, was er mag;
Drum schonet mir an diesem Tag
Prospekte nicht und nicht Maschinen.
Gebraucht das groß´ und kleine Himmelslicht
Die Sterne dürfet ihr verschwenden
An Wasser, Feuer, Felsenwänden,
An Tier und Vögeln fehlt es nicht.
So schreitet in dem engen Bretterhaus
den ganzen Kreis der Schöpfung aus.
Drum folget mir, auch ohne Geld
"In 80 Tagen um die Welt"
Frei nach Goethe
1 Akt: "Die Proben"
Nach dem Theaterwochenende, das zwar nicht ganz so erfolgreich war, wie erhofft, war sich doch jeder der Schauspieler bewußt, was er oder sie noch zu tun hatte.
Und auch der große Meister, genannt "Jörg" wußte, was er zu tun hatte...
Er stellte Probenpläne auf.
Und was für welche!
Je näher man den Aufführungsterminen kam, desto öfter und länger wurde geprobt.
Irgendwann konnten wir dann auch in die PH-Aula.
Und jetzt ging es erst richtig los.
Jetzt konnten endlich die letzten Regieanweisungen gegeben werden. Wer kommt von wo, wer geht wohin, was wird wann wie, wie oft und weshalb benötigt. Und weil der Termin inzwischen noch näher gerückt war, wurden eben Überstunden gemacht. So kam es, daß manche der Herren und Damen Schauspieler von 8.00 Uhr bis 13.15 Uhr im Unterricht saßen und von 14.00 - 21.30 (Rekord) Theaterprobe hatten. Durchgehend, versteht sich!
Aber es half. Wir wurden immer besser und am Tag der Aufführung war von den Schauspielern her alles klar.
Plötzlich auftretende Probleme (HEY Leute, der Umbau ist zu laut, da versteht man ja sein eigenes Wort nicht! -Häh?) wurden kurzerhand fachmännisch gelöst (Gruß an´s Rollo-Team).
Es war ja auch nicht einfach, während des Stücks, die insgesamt 45 Bilder umzubauen.
Und auch die Presse, die -etwas zu früh -, schon an der Generalprobe da war, konnte keinen mehr aus der Ruhe bringen.
Auch der große Meister war zufrieden - bis jetzt ......
2. Akt: "Die Premiere"
Der große Tag war da! Der 21.03.1995! Die Schauspieler trafen sich so gegen 18.00 Uhr um noch beim Aufbau mitzuhelfen und um sich schminken zu lassen. Und so lange man hinter der Bühne war, und nicht sah, welche Massen in den Saal strömten, war auch alles Ok.
Dann kam der schicksalhafte Zeitpunkt immer näher. Nach letzten Ratschlägen vom Meister begab man sich in den Saal und- ach Du Sch..., isch des aber voll.
Jetzt begann das große Zittern. "Hey, hosch meine Spielkarta gseha? Nö, i suach selber mein Reisesack."
Es tauchte aber alles wieder auf und relativ pünktlich wurde begonnen.
Nach den ersten paar Sätzen war dann auch bei den meisten das Lampenfieber so weit weg, vor allem, weil man merkte, daß das Publikum absolut traumhaft war. Es lachte (beinahe) immer zum richtigen Zeitpunkt, und sogar Buh-Rufe kamen gut (Hey Achim, auch indische Frauen sind Menschen!)
Einige Stimmen aus dem Publikum: "Ach isch der Süß" (wer, wird nicht verraten!) oder: "Wenn die des nächschte mol Rule Britannia sengat, dann seng i aber mit!"
Als dann nach beinahe 3 Stunden Phileas Fogg seine Wette gewonnen, Auda, sehr zum Leidwesen Passepartout´s ihren Phileas ergattert und Fix seinen Kinnhaken bekommen hatte und der jüngere Mann ins All abrauschte wollte der Beifall fast kein Ende nehmen
Anschließend gab es bei Sekt und O-Saft noch mal viel Lob für die Schauspieler die glücklich waren, es geschafft zu haben.
3 Akt.: "Die 2.Aufführung"
Wir waren sogar so glücklich, daß am nächsten Abend irgendwie die Luft raus war. Das Lampenfieber wollte sich nicht so recht einstellen und wir merkten auch schon nach den ersten Szenen, daß wir am vorigen abend offensichtlich zu gut waren. (Irgendwie riecht´s hier komisch ...)
Die Aufführung hatte sich so sehr herumgesprochen, daß das Theaterstück eigentlich schon bekannt war. So kam es dann auch, daß sich die Lacher nicht mehr so recht einstellen wollten. Was tun, sprach Zeuss?
Hier half nur noch eines: Improvisieren!
Und dann wurde improvisiert. Und wie!
Es wurde so viel verändert, daß unsere liebe Diana, eigentlich als Souffleuse engagiert, resigniert ihr Textbuch an Jörg weitergab, der es kurze Zeit später völlig entnervt wegschmiß.
Aus einem Amerikaner names Matsch, der ein (Schlauch-)Boot beschaffte, wurde ein Amerikaner namens Quelle (nur keine Schleichwerbung) und zwischendurch vergaß manch einer einfach seinen Text, weil einfach nicht das richtige Stichwort kam. Gemerkt hat das aber keiner. Bis zu dem Zeitpunkt als Achim meinte, er müsse Winni sein Stichwort streichen und mal schnell eine Szene um die Hälfte kürzen. Winni überspielte aber auch das meisterhaft.
Die Laune war so irre, daß sogar die Freiheitsstatue lachen mußte und von der Bühne flüchtete.
Nach der Aufführung erntete manch einer böse Blicke vom Meister, aber was soll´s. Es war schon vorbei und dem Publikum, das dann auch noch absolut spitze mitgemacht hatte, hat´s gefallen.
Und obwohl es ziemlich stressig war, ist es doch jammerschade, daß wir es nur 2 mal aufgeführt haben.
Als Trost, Dankeschön und Anerkennung für die riesige Arbeit bekam Jörg von uns Schauspielern zwar keine Reise um die Erde, aber immerhin einen Rundflug über dem Bodensee geschenkt.
Tja, das war´s.
Jörg hat das Theaterstück übrigens gut überlebt. Sogar so gut, daß er sich schon mit dem nächsten Stück beschäftigt ...
(Tja, manche lernen´s eben nie!)
Am 20. Juni ist übrigens das Kultur -Open Air ...
Vielleicht sieht man sich ja da.
Bis dahin.
Lutz N/94