aus der rückgrat-Ausgabe 1/1995

FHöV auf dem Kulturtrip

Am 14. Februar war es mal wieder soweit: der ultimative Höhepunkt des kulturellen FH-Lebens, das Kulturfest, fand zum dritten Mal statt. Betrachtet man den Erfolg der Vorjahre und die umfangreichen Vorbereitungen im Vorfeld, konnte eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Entsprechend groß war natürlich das Interesse der kulturwütigen FH-Studenten - wie immer kam es zu Engpässen bei der Kartenversorgung, wodurch so mancher ziemlich blöd in die Röhre guckte. Schade!
Schon ein Blick in´s Programm versprach einen Abend, der die vorangegangenen Kulturfeste an Abwechslung um einiges überbieten würde - allein schon durch die enorme Zahl von 17 Programmpunkten.

Den Anfang machten Susanne Hörz und Ursula Jahja am Klavier. In ihrem vierhändigen Stück fühlte man sich schnell in einen orientalischen Bazar versetzt - was beweist, daß dem Klavier auch exotische Klänge entlockt werden können! Im ansschließenden Solo von Ursula wurde es dann klassisch, so kamen die etwa 300 Zuhörer in den Genuß von Chopin.

Nach diesem instrumentalen Einstieg war die Bühne frei für die FHilharmoniker, die bei solchen Anlässen natürlich nicht fehlen dürfen. Dieses Jahr auf eine reine Herrenriege beschränkt, begannen sie ihren Auftritt mit bewährten heimatlichen Klängen. Daß sie auch des Englischen mächtig sind, wurde mit der Darbietung "altschwäbischer Lieder" in britischer Version bewiesen: aus dem "Aurale" wurde "Aura Lee", aus "Geschtern" "Yesterday". In ihrer Zugabe wurde es dann wieder gutbürgerlich: "Ich liebte einst ein Mädchen" schmetterten die Herren - ein Lied, in dem die Lust am Singen so richtig zum Ausdruck kam.

Immerhin: Bei dieser Gelegenheit kam dann auch mal wieder Herr Altpeters Jeans aus dem Kleiderschrank.

Dem Gesang aus voller Kehle frönten auch die "Seven Frog Singers": Sieben fidele, grasgrüne Kermits, die weniger Pausenfüller als eigener Programmpunkt waren - zum Vergnügen der Zuschauer. Schön, daß sie im Lauf des Abends noch zwei Mal auftreten sollten.

Für beifälliges Jodeln seitens des Publikums sorgte dann die bayerische Fraktion der K´94 mit zwei Volkstänzen. Die Tänze, die ursprünglich für den Schneeball (ihr Thema: Hofbräuhaus) einstudiert wurden, fanden großen Anklang - die Verrenkungen beim "Hinterntreter" waren jedenfalls filmreif!

Abwechslung brachte eine klassische Einlage von Dorothea Gresch und Holger Sander. Mit einem Duo für zwei Geigen von Ignaz Pegel schmeichelten sie dem Gehör der an der FH mit solchen Klängen sonst nicht so verwöhnten Studenten. Dagmar Kinzler, Petra Aspacher und Sybille Kugler brachten Musik mit drei Akkordeons zum Besten. Nach einem traditionellen Stück bewiesen sie mit "Memories" aus dem Musical Cats, daß man auch aus der "Quetschkommode" einen Hit herausholen kann.

Die zwei selbstkomponierten Stücke, die Volker Haug anschließend auf dem Klavier aufführte, nahmen das Publikum voll für sich ein. Die Titel "Ausbruch" und "Einsamkeit" versprachen emotionsgeladene Songs voll Ausdruckskraft; dem wurden sie dann auch voll gerecht. Der Wechsel von Temperament und leisen Tönen suggerierte den Widerspruch von Aufbäumen und Besinnung, von Vorwärtsstreben und Innehalten - klar, daß da die Zuhörer total mitgingen.

Das blieb auch so, als Winfried Lauxmann mit der Gitarre dazustieß. Nach zwei gemeinsam gespielten Stücken übernahm er die Bühne für einen seiner bewährten Soloauftritte. Diesmal verpackte er seine Lieder und Songeinlagen in die Story von Don Winniefredo, in der er als Allroundtalent sowohl Helden als auch Bösewicht mimte - "und gemeinsam hatten sie eine schöne Zeit!"

Nach der Pause wurde Exotik geboten: Jutta Frohnmaier und Anja Schiele tanzten den "Ama ja dena". Da raschelten die hüftgeschwungenen Röcke und klimperten die Gürtel - ein Tanz, bei dem Auge und Ohr was davon hatten.

Mit einem Bläserquartett wurde der klassische Bogen an diesem Abend auch auf die Blechbläser ausgedehnt. Die vier mit den dehnbaren Backen gaben zwei Stücke von Susato und Mozart gekonnt zum Besten.

Als Kontrast wurde daraufhin das Volkslied "Badener Land" von vier waschechten Gelbfüßlern vorgetragen. Ein Beitrag zur Völkerverständigung? Daß die Reaktionen des Publikums zum Teil recht unterschiedlich waren (von einhelligem Applaus bis - vielleicht nicht ganz ernst gemeinten - Buhrufen) lag auf der Hand, zieht sich doch die für mich als Auswärtige unsichtbare Grenze zwischen Schwaben und Badenern durch das Land. (Den Unterschied habe ich ehrlich gesagt bis heute noch nicht ganz begriffen - in der Titulierung "Fischkopf" sind sie sich jedenfalls einig!)

Ein nicht ganz alltägliches Instrument wurde beim folgenden Duett vorgestellt: Wolfgang Baur zeigte, zusammen mit Martina Schlipf am Saxophon, was die Zither hergibt. Vor allem der Gassenhauer "Der dritte Mann" begeisterte die Zuhörer und ließ so manchen im Takt mitwippen.

Das war auch bei dem nächsten "Hit" der Fall: Almut Krinn, Doris Bendel, Dagmar Kinzler und Hella Kochsieck machten aus Mozarts "Kleiner Nachtmusik" etwas ganz Besonderes, als sie sie zu einer "Kleinen Lachmusik" abwandelten. Oder sollte das beinahe Ansengen eines Nachthemdes etwa nicht geplant gewesen sein? Die Variation des bekannten Stückes mit anderen Klassikern überraschte jedenfalls immer wieder - es kam so gut an, daß die vier nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen sollten.

Tatjana "Leander" und ihr Pianist "Justus" brachten Bewährtes: bereits auf dem Abschlußball der 92´er begeisterten sie mit ihrer Version zweier bekannter Zarah Leander-Schlager. Mit dem Text, der auf die Stellensituation gemünzt war, konnte sich wohl jeder identifizieren, wie zustimmendes Gelächter aus dem Publikum bewies. Verblüffend jedenfalls ist Tatjanas Stimme, die so echt wirkt, daß nur noch das Rauschen und Knistern fehlt, um an die Originalversion erinnert zu werden.

Für Überraschung sorgte auch die Amerikanische Versteigerung durch Herrn Altpeter, der dankenswerterweise für den leider erkrankten Herrn Büchner eingesprungen ist. Der Erlös, der der Dekoration des Theaterstücks im März zugute kommen sollte, erreichte dank der gekonnten Animation des Versteigerers ungeahnte Höhen und läßt eine schöne Gestaltung erwarten. Das Besondere an der Krawatte war, daß unheimlich viele Leute an ihr mitgewirkt haben: es war das Teststück in Werners Seidenmalkurs, an dem etliche Farben und Muster ausprobiert worden waren. Für einige Verwirrung sorgte der "Uffi" - ein engagierter Interessent, von dem lange Zeit nicht bekannt war, wer das überhaupt ist, dem aber jeder zustimmend Beifall zollte.

Den Abschluß des Programms bildete wie schon im letzten Jahr eine Modenschau, in der Seidenkrawatten und -westen vom Seidenmal-Werner vorgeführt wurden. Bemerkenswert, wie professionell sich die Models über den Laufsteg bewegten, zum Teil im volkstümlichen Stil, teils futuristisch.

Schade, daß an der FH so wenig Krawatten getragen werden!

In der Ausstellung, die in einem Klassenzimmer und zum Teil im Gang eingerichtet worden war, wurden die kreativen Auswüchse einiger Studenten gezeigt (haben die eigentlich zu viel Zeit?). Da sieht man mal was für vielseitige Talente unter uns schlummern!

Die Aussteller waren: Heike Eberlein (Kränze), Bärbel Breuninger (Zeichnung, Aquarell), Constanze Beutter (Seidentücher, Haarspangen), Jutta Klages (Wollpullover), Barbara Semerad (Wollpullover), Kirsten Jakobsen (Töpfersachen), Frank Lehmpfuhl (Modellautos), Freya Friedrich (Zeichnungen, Töpfersachen, Linolschnitte, Stahlstich, Holzbildhauerei), Volker Haug (gesammelte Fotografien von diversen FH-Festen), Markus Wimmer (Fotografien), Hartmut Gerung (Zeichnungen, Plastiken), Petra Thaler (Zeichnung, Fotografien) und last but not least diverse Strickerinnen mit ihren Wollsocken.

Oliver Vollmer, Werner Weisgerber und Volker Haug stellten ihr an langen Abenden selbstentworfenes FHöV-Spiel vor, und aus Werners Seidenmalkurs wurden einige Exemplare von verschiedenen Teilnehmern ausgestellt.

Daß das Kulturfest so ein voller Erfolg geworden ist, ist vor allem auch vielen helfenden Händen im Hintergrund zu verdanken. An dieser Stelle ein ganz großes Lob an:
die beiden Kultis Silvie und Hemme, die "Auf-, Ab- und Umbauer", die Techniker, die, die für das leibliche Wohl an der Bar gesorgt haben, die Aussteller und Mitwirkenden und alle, die sonst noch auf irgendeine Weise beteiligt waren.
Ihr ward super!

Frauke Schütz, I 93