aus der rückgrat-Ausgabe 1/1995

Ungerechtfertigte Bereicherung“

oder

die Geschichte des AStA, die jenseits von gut und böse stand ...

Ein Drama in fünf Akten

Es begab sich zur der vorweihnachtlichen Zeit des Jahres 1994, als sich eine Gruppe von hoffnungsvollen, zukünftigen Verwaltungsbeamten(innen) mit wahrem Freudeneifer in die Vorbereitungen zum größten Fest der FH, dem Schneeball, stürzte.
Hocherfreut war die AG, als man das gewünschte Thema „Mittelalterliche Folterkammer“ bekam.
Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren und als der Abend des Festes herangerückt war, konnte man voller Stolz von einer mehr als gelungenen Umsetzung des Themas sprechen.
Doch der Wermutstropfen, der in jeder guten Geschichte steckt, sollte auch hier seine Schatten auf die AG werfen.
Dieser Tropfen war nämlich das leidige Thema „Pfandsystem“. Für alle benötigten Helferkarten wurden dem AStA die 5,-- Pfand aus der Klassenkasse bezahlt.
Nicht benötigte Pfandabschnitte, so hatte man es fälschlicherweise verstanden, sollten gesammelt und am Montag nach dem Fest dem AStA gegen entsprechenden Gegenwert zurückgegeben werden.

I. Akt

Als man am Montag nach dem Schneeball bei dem AStA vorsprach und vereinbarte, die Karten erst am Dienstag zu bringen, da nicht jeder, der sie noch besaß, am Montag daran gedacht hatte, erklärte sich die Pausenbesetzung des AStA mit den verheißungsvollen Worten „ja - ja“ dazu bereit.
(Anmerkung der AG-Sprecher in diesem Fall - als man vor der AStA von den besagten Abschnitten sprach, sahen diese reichlich verwirrt aus und wälzten ohne weitere Nachfragen über den Sinn mit jenen oben genannten Worten die Verantwortung schnell ab ..).

II.Akt

Als man am Dienstag wieder vorsprach und die Abschnitte überreichte, bekam man als erstes ein reichlich verwundertes und überraschtes Gesicht der Dienstags-Besetzung zu sehen. Immerhin waren diesmal die Anwesenden fähig, den AG-Verantwortlichen zu erklären, daß man wohl etwas falsch verstanden habe. Die Abschnitte hätten - bei einer evtl. Nicht-Benötigung - noch in derselben Nacht an der Getränkekasse eingereicht werden sollen.
Aber man zeigte sich verständnisvoll und versprach, die Sachlage mit den übrigen AStA-Mitgliedern zu besprechen. Man sollte nun am nächsten Tage wieder vorsprechen.
Gesagt, getan. Am Mittwoch sollte sich nun der dritte Akt des Dramas kurz und bündig abspielen.

III.Akt

Vorgesprochen zur gewohnten Zeit, bekam man die reichlich platonischen Antworten :
  1. hätte der AStA die Kasse bereits abgeschlossen ;
  2. wäre die AG bzw. die Schneeballansprechpartner selbst schuld, wenn sie „es nicht geblickt hätten“ ;
  3. in der Cafete wären in der Nacht zahlreiche Helferkarten liegen geblieben, diese hätte man sich ja aneignen können und käme nun um ungerechtfertigter WeiseGeld zu kassieren ... ; und
  4. sollte man den Betrag als „Spende“ an den AStA betrachten, da man ja auch umsonst gegessen und getrunken hätte ... .
Mit diesen erschlagenden Worten wurde man aus dem konstruktiven und auf gegenseitigen Verständnis bestehendem Gespräch entlassen.
In der anschließenden heißen Phase der Diskussion in der AG über so viel Dreistigkeit und in einzelnen Punkten mehr als unverschämten Äußerungen seitens des AStA wurde beschlossen, in der am folgenden Montag stattfindenden AStA-Sitzung vorzusprechen.
Man sprach auch mit einem AStA-Vertreter, der auch schon im Vorfeld viel Verständnis für die Lage der AG gezeigt hatte und auch dieser befürwortete den Versuch.

Als kleine Anmerkung seitens der AG sollte hier noch gesagt werden, daß es sich bei dieser aufreibenden Diskussion lediglich um einen Betrag von 100,--DM handelt. Eine Niederschlagung nach der AO wurde wohl erwogen, doch dann aus dem Gefühl der Gerichtigkeit resultierend, abgelehnt.
An dem darauffolgenden Montag sollte nun der vierte Akt des Dramas stattfinden.

IV.Akt

Noch hoffnungsvoll hatten wir uns am Montag auf den Weg zur Sitzung gemacht. Natürlich waren wir etwas verwundert, daß außer uns kein einziger normaler FH-Student anwesend war, dachten uns aber weiter nichts dabei. Als wir uns später „enttarnten“, erklärte man uns, daß die Sitzung nicht-öffentlich sei (wieso stand das nicht auf dem Umlauf ?) und uns nur der Umstand, daß wir für Fachbereichsleiter gehalten wurden, vor einem Rausschmiß bewahrte, was bei uns die Frage aufwarf, ob der AStA eigentlich sein eigenes Personal nicht kennt.
Wie dem auch sei, wir ließen die ersten zwei TOP`s über uns ergehen und warteten sehnsüchtig auf den Punkt „Nachlese vom Abschlußball und Schneeball“.
Nachdem der Abschlußball besprochen war, erklärten die Schneeballsprecher frisch und frei, für sie sei der Schneeball erledigt und abgeschlossen !! Moment !!!
Unsere Zeit war gekommen
Nachdrücklich ließen wir verlauten, für uns sei der Schneeball noch nicht abgelaufen.
Nach der Vorstellung unserer Person und unseres Problems ging unerklärlicherweise ein leichtes Stöhnen durch den Raum. Zuerst wurden wir über die bereits erwähnte „Nicht-Öffentlichkeit“ aufgeklärt, danach wollte man unser Anliegen im Keim ersticken, indem erklärt wurde : ..“ihr seid selber schuld, wenn ihr so eine vertrottelte AG seid .... !“.
Ergänzend wurden nochmals die Argumente aus Akt II heruntergeleiert. Doch so schnell geben wir doch nicht auf ! Sachlich in die Offensive gehen hieß unser Motto. Und siehe da, eine kleine Gruppe von AStA-Mitgliedern interessierte sich tatsächlich für unser Problem, und nicht nur das, sie leistete uns doch tatsächlich Schützenhilfe !
Leider wurde dieser Beistand massiv und korpulent aus den eigenen Reihen niedergeschlagen.
Und dies zum Teil mit haarsträubenden Einwürfen wie „da könnte ja jeder kommen, schließlich lagen die Karten nach 3 Uhr in der Cafete lose herum..“. Eine gedankliche Möglichkeit, die man gleichaltrigen Komilitonen niemals unterstellen kann, allein der Einwurf zeigt die Unsicherheit. Denn Karten dürften bei der angepriesenen Ordnung nie und nimmer auf dem Boden herumliegen. So kann man nun gewiss niemanden für ein offensichtliches und bekanntes Mißverständnis verantwortlich machen. Niemand ist unfehlbar und bei freundlicher Absprache, sowie vorhandenen Mitteln müßte soviel Kulanz bestehen, daß der Fehlbetrag abgedeckt werden müßte - so unsere Meinung.
Allein im Rahmen der Gleichberechtigung, da alle AG`s ihr Geld auch erhalten und ebenso mitgetrunken und mitgegessen hatten. Wo war denn nun das ach so wichtige Verständnis für die Studenten von Seiten des AStA ? Wo blieb die Toleranz, die eigentlich jeder im Umgang mit dem anderen haben sollte ? Wie sind gewisse AStA-Mitglieder denn im wirklichen Leben, wenn sie schon in einer solchen, ansich harmlosen Situation ihre Macht ausspielen ?

Nach dieser sehr emotionellen Diskussion wurden wir mit den Worten entlassen, wir sollten uns doch bitte am nächsten Tag in der großen Pause nach der Entscheidung des AStA, der nun anschließend der Form entsprechend, intern und nicht-öffentlich, ausdiskutiert werden sollte, erkundigen.

V. Akt

Im AStA-Zimmer wurden uns am Dienstag dann von einem AStA-Vertreter der netteren Art kurz und bündig die Entscheidung übermittelt -- Antrag abgelehnt !
Sehr glücklich sah er dabei nicht aus, vielleicht war ihm soviel Intoleranz schon selbst peinlich !

Nachwort

Das Drama ist geschlossen. Der Vorhang der Endgültigkeit scheint über die Szenerie gefallen zu sein. Keiner wagt es, den Übergöttern zu widersprechen -- keiner ?
Nein ! Ein kleiner Haufen von unbeugsamen AG`lern wird nicht aufhören, auch in Zukunft gegen diese Selbstverherrlichung und Kompetenzüberschreitungen gewisser Personen zu kämpfen (und sei es nur wie geschehen, mit der Feder...).
Denn der eigentliche Zweck des AStA, nämlich derjenige, für die Studenten da zu sein, und nicht gegen sie, scheint nicht mehr gegeben zu sein.
Ein kleiner Lichtblick am Horizont - der AStA hatte seine Pflicht getan, der AStA konnte gehen.
Bleibt nur zu hoffen, daß die neue Mannschaft ihre Sache besser macht.
Wir wünschen Euch auf jeden Fall viel Glück - und wenn ihr Tips braucht, wie man zum Beispiel durch Verzicht auf jährlich neue T-Shirts mit dem Aufdruck „Security“ und teure Stempel Geld sparen könnte - wendet Euch vertrauensvoll an uns !

Eure D` 94