aus der rückgrat-Ausgabe 3/1994

Ruf aus der Wildnis...

oder ein kleiner Einblick nach draußen

Bertold Bärig ist Student der FHöV LB, noch. Da er wie viele andere keine Stelle zu bekommen scheint, beschließt er, noch eine kleine Weile zu studieren.

Alles kein Problem für B, denn mit Bürokratie kennt er sich ja jetzt aus. Der Antrag auf Zulassung ist schnell angefordert und ausgefüllt. Noch die ganzen Zeugnisse und Bescheinigungen rein und los.

Wochen danach kommt dann ein Nachrichtlein, daß B den Studienplatz erhalten hat und nun nur noch der Antrag auf Einschreibung gestellt werden muß. Was sich allerdings dahinter verbirgt ist enorm. Sämtliche Bescheinigungen und Zeugnisse müssen erneut geschickt werden, was gar nicht so einfach ist, wie viele wissen, die in der hiesigen Verwaltung (nicht Frau Gais) schon mal etwas nochmal brauchten. Während B sich also gegen den wütenden Redeschwall einer bissigen Sekretärin wehrt, hätte diese die notwendige Bescheinigung bereits 3mal ausgestellt.

Die wollen sogar noch ein Paßfoto, wozu wohl? Vom Krankenversicherungsnachweis mal ganz abgesehen. Diesen zu besorgen ist für einen Privatversicherten ein mittelgroßes Problem, denn die Bescheinigung der Privaten reicht nicht. Es wird ein Wisch von der AOK verlangt, von dem eindeutig zu entnehmen ist, daß der Betreffende nicht versicherungspflichtig ist. Aha, und was, wenn die AOK sich weigert, dieses etwas auszustellen? B war vollkommen verzweifelt.

Jetzt soll er auch noch den bereits bezahlten Studentenwerksbeitrag entrichten. Habe er doch schon- aha Antrag wird sonst nicht bearbeitet? Zur Rückerstattung sind dann folgende Papiere notwendig: Immatrikulationsbescheinigung der Uni, Einzahlungsbescheinigungen und Exmatrikulationsbescheinigung der FHöV, die es hier genausowenig gibt wie Immatrikulationsbescheinigungen (genau genommen).

Jetzt noch schnell das Semesterticket besorgen. Was braucht man da alles Imma-Bescheinigung, Photo ?

So langsam nervt es. Für B drängt sich so langsam die Frage auf, ob es sich hier nicht vielleicht um ein internes Ausleseverfahren der Uni handelt, denn dieses Theater durchzuhalten ist auch für B nicht ganz einfach.

Da am 17. Oktober noch keine Nachricht der Uni da ist, geht B einfach mal hin. Doch oh schreck, was stellt er denn fest ? Hier geht es schon richtig zur Sache und es interessiert keinen, ob B jetzt eingeschrieben ist oder nicht. Auch sagt niemand zu B, wann welche Veranstaltung stattfindet und was für den Anfang die wichtigen Fächer sind. So etwas erfährt B nur aus dem in jeder Buchhandlung erhältlichen Vorlesungsverzeichnis. Nach einer Woche Frust, hat B sich dann doch eingelebt und hat alte FH-Tugenden wiederentdeckt, denn was man heute verpasst, muß man auch morgen nicht nachholen.

Doch ein Satz eines Dozenten, der damals großen Aufruhr in Bs AG auslöste, war gar nicht so falsch, nämlich, daß es sich bei der FHöV im gewissen Sinne um einen Kindergarten handelt. Das soll jetzt nicht zu negativ klingen, denn wer die Zeit hier richtig nutzt, kann diese zwei Jahre zu einer unvergessenen Zeit werden lassen, aber man sei bitte nicht verschreckt, wenn man dann in die große gefährliche Welt rauskommt und man plötzlich feststellen muß, in welch behüteter und versorgender Welt man sich hier 2 Jahre bewegt hat.

Melanie Hieber B/92