aus der rückgrat-Ausgabe 3/1994
In dem Bericht wird über das Einstellungsverfahren für FHöV-Absolventen in einer großen Kreisstadt berichtet
Stadtverwaltung Weingarten
Verbesserung der Stellensituation
nicht in Sicht
Weingarten/Württ. - eine Stadt mit rund 24.000 Einwohnern in Oberschwaben. Die hiesige Stadtverwaltung hat 228 Beschäftigte, allerdings ohne das angegliederte Krankenhaus.
Das Gespräch mit dem Amtsleiter des Personalamtes, Herr Wanner, zeigte, daß auch hier die Aussichten auf eine Stelle recht gering sind. Eine Stellenneubesetzung kommt erst nach Überprüfung durch das Organisationsamt und nach Freigabe durch den Oberbürgermeister/GR in Frage.
Im Zeitpunkt der Umfrage war eine Stelle (Kassenverwalter in der Kämmerei) zu besetzen. Im Vergleich zu anderen Stellenausschreibungen war die Resonanz von Studenten der FHöV relativ gering: Von insgesamt 45 Bewerbungen gingen lediglich 17 Bewerbungen von FH-Abgängern ein.
Zum damaligen Zeitpunkt war die endgültige Auswahl noch nicht erfolgt.
Wie ich aber letzte Woche erfahren habe, wurde die Stelle an eine FH-Abgängerin vergeben, was wiederum bestätigt, daß nicht nur unsere männlichen Kollegen bevorzugt werden ...!
Die Bestätigung des Bewerbungseingangs erfolgt in Weingarten sofort,
d. h. binnen 2-3 Tagen.
Die endgültige Entscheidung wird den Bewerbern erst nach Zusage des vom Gemeinderat ausgewählten Bewerbers bekannt gegeben. Wie lange das dauert, hängt natürlich von der Dauer des Entscheidungsprozesses ab. Dieser kann sich - je nach Stelle - bis zu 2 Monaten hinziehen.
Die Vorauswahl wird in Weingarten abhängig vom Anforderungsprofil der Stelle getroffen. Wichtig ist neben dem FH-Notendurchschnitt, auch der Schnitt des DzUs und das Dienstzeugnis; was aber nicht heißen soll, daß nur Leute mit "Superschnitten" zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Auch der Gesamteindruck der Bewerbungsunterlagen und die absolvierten Seminare spielen eine wichtige Rolle. Der "Personalchef" Herr Wanner legt nicht unbedingt Wert auf bestimmte Seminare, (es sei denn, sie sind von Vorteil für die zu besetzende Stelle) auch "ausgefallenere" Seminare, an denen nicht jeder teilgenommen hat, werden von ihm sehr positiv bewertet.
Die endgültige Auswahl wird dann nach dem persönlichen Eindruck im Vorstellungsgespräch und den o.g. Kriterien getroffen.
In Weingarten werden die in die engere Auswahl genommenen Bewerber zu einem Gespräch in den GR eingeladen. Dies läuft so ab, daß sich jeder Bewerber einzeln vor dem GR vorstellt und evtl. einige Fragen beantwortet. (Mehr kann ich dazu leider auch nicht sagen, da ich während meiner Ausbildung nie in einer solchen Sitzung war.)
Der GR trifft dann im Einvernehmen mit dem Personalamt die endgültige Entscheidung.
Die Stadt Weingarten überprüfte für sich, die Möglichkeit von Teilzeitstellen im Beamtenbereich. Diese Idee konnte aber nicht verwirklicht werden, da für die "Beamtenstellen" die Notwendigkeit von Vollzeitstellen gegeben sind. Teilzeitstellen werden momentan lediglich im Angestelltenbereich verwirklicht.
Prognose für die Stellensituation 1995:
An eine Verbesserung glaubt Herr Wanner nicht.
Eher wird die Situation noch gravierender, was natürlich auch an der erhöhten Zahl der Zulassungen unseres Jahrgangs liegt.
Anmerkung der Interviewerin:
Was soll man zu diesen "motivierenden" Aussichten noch sagen?
Christina I/93